„Aufgrund ihrer hohen Treibhausgasemissionen wird die Milchproduktion vermehrt in Frage gestellt. Dabei wird ausgeblendet, dass ein grosser Teil der Flächen in der Schweiz nicht ackerfähig sind, die Milchkühe dieses Gründland sehr effizient nutzen und die Milchproduktion wesentlich zur Selbstversorgung mit hochwertigen Nahrungsmitteln beiträgt. Für aaremilch ist die Milchproduktion in der Schweiz deshalb sinnvoll und standortangepasst. Mit dem Programm KLIR verfolgen wir das Ziel, die Treibhausgasemissionen um mindestens 10 % zu reduzieren und so eine umweltverträgliche Milchproduktion zu fördern“.

Andreas Stämpfli, Projektleiter KLIR

In der Schweiz stammen 13 % der Treibhausgasemissionen aus der Landwirtschaft (Quelle: Agrarbericht 2019), davon entstehen rund 85 % aus der Tierhaltung und 15 % aus der Pflanzenproduktion. Von den Emissionen aus der Tierhaltung findet die Hälfte ihren Ursprung in der Milchviehhaltung (Quelle: Bretscher et al. 2018). Hauptverursacher ist der Verdauungstrakt der Milchkühe, als Nebenprodukt der Verdauungsvorgänge wird dort das Treibhausgas Methan gebildet, das eine 25 – 30 Mal stärkere Umweltwirkung als CO2 hat. Um Vergleiche mit anderen Bereichen anstellen zu können, wird Methan in CO2-Äquivalenten (CO2e) umgerechnet. Für die Produktion von einem Kg Milch entsteht im Durchschnitt knapp 1 kg CO2e, davon stammen 500 g – 700 g CO2e aus der Verdauung der Kuh.

Pro Kg Milch entstehen im Durchschnitt der KLIR Betriebe 925 g CO2e. Verteilt auf Milch und Fleisch, sind rund 710 g CO2e der Milch und 215 g CO2e dem Fleisch zuzuordnen.

Die Klimastrategie Landwirtschaft des Bundes sieht vor, die Treibhausgasemissionen aus der Landwirtschaft bis 2050 um einen Drittel zu reduzieren und dabei die Nahrungsmittelproduktion mindestens auf gleichem Stand zu halten und wenn möglich zu steigern.

KLIR – Klimaschonende und Ressourceneffiziente Milchproduktion

Das Programm KLIR von aaremilch AG und Nestlé Schweiz, wissenschaftlich begleitet von der Hochschule für Agrar- Forst und Lebensmittelwissenschaften (HAFL) setzt an dieser Klimastrategie an. Ziel ist es, die Treibhausgasemissionen aus der Milchproduktion zu reduzieren und gleichzeitig die Ressourceneffizienz auf den Betrieben zu verbessern. Dazu wurde ein produktionsorientiertes Milchprämienmodell erarbeitet. Das Modell wird auf 145 Betrieben angewendet und läuft in 3 Schritten ab:

  1. Erhebung Ausgangslage (Mittelwert aus 3 Jahren)
  2. Betriebsspezifische Zielsetzung unter Berücksichtigung der Ausgangslage
  3. Jährliche Auswertung der Zielerreichung

Die folgende Grafik (Quelle: HAFL) zeigt den ermittelten CO2e Ausstoss in der Ausgangslage der KLIR Gruppe 2017-2020, sie umfasst 45 Projektbetriebe. In der Grafik ist gut zu erkennen, dass der Treibhausgasausstoss zwischen den Betrieben stark variiert und im Durchschnitt bei rund einem Kg CO2e pro Kg Milch liegt:

Treibhausgasemissionen pro Kg Milch der KLIR Betriebe 2017 – 2020. Quelle HAFL.  

Der Betrieb mit den höchsten CO2e Emission emittiert doppelt soviel wie der Betrieb mit den tiefsten Emissionen. Wo liegen die Unterschiede zwischen den  Betrieben?

Ein sehr entscheidender Einflussfaktor ist die Lebtagleistug. Die Lebtagleistung setzt sich aus den Parametern Milchleistung und Nutzungsdauer zusammen. Der Betrieb mit den tiefsten CO2e Emissionen hat eine Lebtagleistung von 15.5 Kg, während der Betrieb mit den höchsten Emissionen eine Lebtagleistung von 6.5 kg erreicht. Eine höhere Lebtagleistung führt zu einem Verdünnungseffekt, indem die Treibhausgasemissionen aus der Aufzuchtphase und für die Erhaltung auf mehr Milch verteilt werden können.

Nebst der Lebtagleistung beinhaltet das Programm KLIR drei weitere Parameter zur Reduktion der THG Emissionen:

Entwicklungsziele KLIR Beschreibung
Erhöhung Lebtagleistung pro Tier Die Lebtagleistung ist eine Effizienzkennzahl und wird folgendermassen berechnet: Jahresmilchleistung mal Anzahl Nutzungsjahre geteilt durch Anzahl Lebtage. Die maximal anrechenbare Jahresmilchleistung beträgt in der Talzone 8’000kg und in der Bergzone 7’000kg Milch.
Erhöhung Langlebigkeit Milchkühe Ein Versuch zeigte, dass Kühe mit über 2’000 Lebtagen bei der Verdauung weniger Methan ausstossen. Deshalb wird bei einem Herdendurchschnitt von mehr als 2’000 Lebtagen eine CO2e-Gutschrift angerechnet.
Erhöhung Anteil Hofdünger zu Biogas Durch die Verkürzung der Lagerdauer von Gülle und Mist und durch die kontrollierte Fermentation der Hofdünger wird der Methanausstoss reduziert. Je Kubikmeter auf dem Betrieb oder in einer nahe gelegenen Biogasanlage vergärter Hofdünger werden wird eine CO2e-Gutschrift angerechnet.
Erhöhung Koppelproduktion Fleisch Fleisch als Koppelprodukt von standortgerechter Milchproduktion ist klimafreundlich und ressourceneffizient. Je höher der Anteil geborener Kälber in einer Milchviehherde von einem Zweinutzungsstier (SI, OB, MO) oder von einem Maststier ist, desto höher die CO2e-Gutschrift.

Durch eine kontinuierliche Optimierung der vier KLIR-Entwicklungsziele, können die Betriebe ihre CO2e Emissionen deutlich reduzieren.

Treibhausgasemissionen Milchproduktion international

„Der durchschnittliche KLIR Betrieb emittiert knapp 1 Kg CO2e für die Produktion von 1 Kg Milch, damit schneidet die Schweiz im internationalen Vergleich sehr gut ab. Durch den hohen Anteil an Raufutter, weist die typische Schweizer Futterration zudem eine tiefe Nahrungsmittelkonkurrenz auf. Schweizer Milch ist deshalb sowohl hinsichtlich Produktqualität wie auch beim ökologischen Fussabdruck ein international sehr konkurrenzfähiges Produkt.“

Andreas Stämpfli, Projektleiter KLIR

Ein Blick über die Landesgrenze hinaus zeigt, dass die Schweiz im internationalen Kontext tiefe Treibhausgasemissionen pro Kg Milch aufweist. Die Studie der FAO hat den Treibhausgasausstoss verschiedener Weltregionen berechnet und verglichen. In Westeuropa entstehen im Schnitt 1.37 Kg CO2e / Kg Milch, während die Schweizer KLIR Betriebe im Durchschnitt knapp 1 Kg CO2e / Kg Milch emittierten. In der FAO Studie haben nur die USA und Kanada tiefere CO2e Emissionen als Westeuropa aber auch sie liegen über dem Durchnschnitt der Schweizer KLIR Betriebe. Deutlich höher sind die Emissionen in den südlich gelegenen Regionen Asien, Süd- und Nordafrika. Dort können die CO2e Emissionen pro Kg Milch bis zu 7 Kg betragen:

Treibhausgasemissionen pro Kg Milch und Weltregion. Quelle FAO. 

In der FAO Studie wird der Methanausstoss pro Tier und Jahr, der Milchleistung gegenüber gestellt. Beide Kennzahlen variieren zwischen den Weltregionen sehr stark. Die USA haben mit Abstand den höchsten Methanausstoss pro Tier und Jahr aber auch mit Abstand die höchste Milchleistung. Dadurch schneiden sie beim CO2e Ausstoss pro Kg Milch sehr gut ab. Würde die Zusammensetzung der Futterration und in diesem Zusammenhang die Nahrungsmittelkonkurrenz mit einbezogen, würde sich der Vorteil der USA im Bereich Klima relativieren, da die USA einen hohen Kraftfutteranteil in der Ration haben. Der Indikator Nahrungsmittelkonkurrenz einer Futterration gibt Auskunft darüber, welchen Anteil die Futtermittel an Protein bzw. Energie beinhalten, die direkt für die menschliche Ernährung eingesetzt werden könnten.

Methanproduktion und Milchleistung pro Kuh und Jahr, nach Weltregion. Quelle FAO.